Review: Rocktimes

Avery Plains / Same
Same Spielzeit: 36:32
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2015
Stil: Alternative Rock/-Pop



Review vom 12.04.2015


Wolfgang Giese

Gute Rockmusik aus den Niederlanden hat Tradition. Solche Botschafter, wie die noch immer aktiven Golden Earring, legen ein lebendiges Zeugnis davon ab. Diese Pop/Rock-Band aus Groningen, die sich Avery Plains nennt, zählt zur jungen Generation in einer Reihe immer wieder hervorragender niederländischer Bands. Mit ihrem alternativ angestrichenen Sound, der sich aus Zutaten der langen Geschichte des Rock bedient, beweisen die Musiker, dass noch immer innovative und handwerklich großartige Klänge aus unserem Nachbarland kommen können. Ich kann nicht umhin, festzustellen, dass sich diese gewisse Art typischer Elemente von Bands aus den Niederlanden auch hier widerspiegelt. Es ist schlecht zu beschreiben, man kann es einfach hören und spüren.
So ist es auch gleich die Schlagzeugeinleitung des ersten Songs, die mich gedanklich zum Song “Bombay” von Golden Earring hinführt. Der Opener besitzt eine ganz besondere Ausstrahlung. Er bietet auf kleinstem Raum komprimiert das, was die Atmosphäre und Aussage der gesamten Platte ausmacht. Leichte Melancholie, wuchtigen und vollmundigen Sound, der von vier Gitarren gespeist wird und ein gewisser Hang zur Musik der sechziger und siebziger Jahre, inklusive dezenter Elemente aus der psychedelischen Musikszene. Sie gefällt mir sehr, diese mit harmonischer Energie vorgestellte Darbietung, die sich auch durch die prägnante Stimme von Veenstra definiert. “Walking By Lost Ways” trägt ebenfalls Spuren der ‘Goldenen Ohrringe’ und glänzt durch melodische Harmonie.
Der grundsätzliche treibende Druck wird gelegentlich durch ruhige Songs wie “Nothing Short Of Scandal” oder “In Pieces You Will Be Free” unterbrochen, das als Besonderheit den Einsatz einer Posaune aufweist. Das ist innerhalb des Gesamtpakets eine Überraschung und bringt einen wundersamen Aspekt in die Musik – es scheint eigentlich nicht zu passen, aber letztlich eben doch. Aber das war noch nicht alles an Gebläse, wird dieses doch auf dem letzten Song mit voller Kraft noch einmal aufgefahren. Dazwischen schlängeln sich wie verrückt gewordene Gitarrenläufe hindurch.
Ja, Avery Plains hat es verstanden, ein sehr interessantes Hörpaket zu schnüren. Mir jedenfalls macht es Freude, zuzuhören und eigentlich bin ich nah dran, einen Tipp auszusprechen. Ich hoffe, so wie auf dieser Debütplatte wird es weitergehen und die Geschichte der rockenden Popmusik und des alternativen Rock wird weiter durchforstet und ihnen ein neues Kapitel hinzugefügt, denn ich bin der Meinung, dass in dieser Band sehr viel Potential steckt!